Egon Schiele

(* 12. Juni 1890 in Tulln an der Donau, Niederösterreich; † 31. Oktober 1918 in Wien)

Egon Leo Adolf Ludwig Schiele war ein österreichischer Maler des Expressionismus. Neben Gustav Klimt und Oskar Kokoschka zählt der in Tulln geborene Ausnahmekünstler zu den bedeutendsten bildenden Künstlern der Wiener Moderne.

Schieles Jugendjahre

1890

Am 12. Juni dieses Jahres kommt Egon Schiele als drittes Kind des Oberoffizials der k.u.k. Staatsbahn Adolf Eugen Schiele und Marie Schiele in der niederösterreichischen Kleinstadt Tulln zur Welt.

Er wird auf den Namen Egon Leo Adolf getauft. Egon Schiele hatte bereits zwei ältere Schwestern, die 1883 geborene Elvira, die aber schon mit zehn Jahren stirbt, und die 1886 geborene Melanie. Als jüngstes Kind der Familie wird Gertrude 1894 geboren. Sie steht ihm in seiner Frühzeit als Künstler oft Modell, häufig auch für Aktzeichnungen.

1890 - 1905

Während Egon Schiele die Volksschule besucht, fertigt er bereits Zeichnungen an - hauptsächlich vom Tullner Bahnhof und den dort stehenden oder rangierenden Eisenbahnzügen.

Mit zehn Jahren besucht Schiele das Realgymnasium in Krems. Wegen schlechten Schulerfolges schickt ihn sein Vater im Herbst 1902 nach Klosterneuburg an das Landes-Real- und Obergymnasium. Bald beschweren sich dort die Lehrer, dass Egon den Unterricht durch Zeichnen störe. Die Lernerfolge sind gering aber sein Zeichenlehrer Ludwig Karl Strauch erkannte schon bald seine künstlerische Begabung und förderte diese.

Als der Gesundheitszustand seines Vaters zunehmend schlechter wird und dieser schließlich seinen Dienst nicht mehr versehen kann, übersiedelt auch die Familie Schiele nach Klosterneuburg. Am Neujahrstag 1905 stirbt Adolf Schiele - höchstwahrscheinlich an progressiver Paralyse.

1906

Zum Vormund von Egon wird sein Onkel und Taufpate, Ingenieur Leopold Czihaczek, der mit einer Schwester seines Vaters verheiratet ist, ernannt. Schon von seinem Vater, und so auch von Leopold Czihaczek, war für Schiele ein Studium an der Technischen Hochschule angestrebt worden.

Der mangelhafte Lernerfolg veranlasst aber Schieles Mutter, sich an eine ihrer Schwestern zu wenden, deren Mann einen chemiegraphischen Betrieb besitzt. Egon soll dort als Zeichner unterkommen. In einem Brief vom 9. Juni 1906 erfährt Marie Schiele jedoch eine glatte Absage. Ein Besuch an der Wiener Kunstgewerbeschule wird in Erwägung gezogen.

Die Zeichnungen, die Schiele an der Kunstgewerbeschule vorweist, werden für so gut befunden, dass man ihm den Besuch an der Akademie für bildende Künste nahe legt. Als Schiele dort die Aufnahmeprüfung erfolgreich bestanden hat, schwinden auch die Bedenken des Vormundes und er telegrafiert am 13. Oktober 1906 erfreut an seine Gattin: “Egon glänzend durch.”

Erste Erfolge

1907

Mit großem Enthusiasmus stürzt sich Schiele in seine neue Aufgabe. Bald aber trübt sich das Verhältnis zwischen ihm und seinen, noch immer dem “Ringstraßenstil” verhafteten Lehrer Griepenkerl. 

Schiele sucht bereits in diesem Jahr die persönliche Bekanntschaft mit Gustav Klimt. Dieser förderte junge Künstler, auch Schiele, uneigennützig und nobel.

Mit seiner jüngeren Schwester Gertrude reist er nach Triest; dort entstehen mehrere Studien nach dem Triester Hafenviertel. Diese Bilder zeigen, dass Schiele außerhalb der Akademie zum Maler reifte und die den Einfluss der Sezessionskunst deutlich erkennen lassen.

1908

Schiele konnte sich erstmals mit bekannten Klosterneuburger Malern an einer Ausstellung beteiligen. Darunter war auch Max Kahrer, er wurde ein väterlicher Freund, brachte ihn stärker zur Farbigkeit und machte ihn wohl auch mit der Kunstder Sezession bekannt.

1909

Von Schiele werden bereits vier Werke in der “Internationalen Kunstschau 1909” gezeigt, deren Ausstellungskomitee Gustav Klimt als Präsident vorsteht. Auch den Architekten Josef Hoffmann lernt Schiele bei dieser Gelegenheit kennen und kommt dadurch wenig später mit der “Wiener Werkstätte” in Verbindung.

Nach heftigen Kontroversen mit Prof. Griepenkerl verlässt Schiele im April mit gleichgesinnten unzufriedenen Studienkollegen die Akademie und gründet die “Neukunstgruppe”.

Dazu gehören unter anderem Anton Faistauer, Rudolf Kalvach, Franz Wiegele, Hans Ehrlich und auch der Komponist Löwenstein sowie der Theatermaler Erwin Dominik Osen (der vorübergehend einen nicht unbeträchtlichen Einfluss auf Schiele ausüben kann). Später treten noch Hans Böhler und Albert Paris von Gütersloh dieser Gruppe bei. Schiele ist ihr Präsident und Sekretär. Im Dezember präsentiert sich die “Neukunstgruppe” erstmals im Wiener Salon Pisko.

1910

Im Herbst stellt Schiele wieder im Chorherrenstift Klosterneuburg aus. Der Eisenbahnbeamte Heinrich Benesch ist vom Bild einer Sonnenblume so begeistert, dass er beschließt, den Künstler persönlich aufzusuchen. Er sollte der beharrlichste Sammler von Schieles Zeichnungen und Aquarellen werden.

In Krumau malt Schiele Stadt- und Landschaftsbilder.

Die Affäre Neulengbach

1911

Seine künstlerische Eigenständigkeit hat Schiele bereits 1910 erreicht, nicht aber die öffentliche Anerkennung. Immerhin verfasst 1911 Paris von Gütersloh einen Essay über Egon, und auch Arthur Roessler veröffentlicht über ihn einen bebilderten Aufsatz in der Monatsschrift “Bildende Künstler”. Von April bis Mai kommt es in Wien, in der Galerie Miethke, auch zur ersten größeren Kollektivausstellung.

Egon Schiele übersiedelt nach Krumau, der Heimatstadt seiner Mutter. Kurz zuvor macht er Bekanntschaft mit dem Modell Wally Neuzil, die sein bevorzugtes Modell und seine Freundin wird. Er geht mit ihr eine freie Lebensgemeinschaft ein und nimmt sie mit nach Krumau. Dort beginnt eine künstlerisch ersprießliche Tätigkeit. Bald aber läuft es der kleinstädtischen Gesinnung zuwider, dass Schiele auch sehr junge Krumauer Mädchen zu Aktstudien heranzieht und darüber hinaus in “wilder Ehe” mit Wally lebt. Schiele muss aus Krumau fort und lässt sich nach einer kurzen Zwischenstation bei seiner Mutter in Wien, in Neulengbach, nahe bei Wien, nieder. Schiele fällt aber wie in Krumau als Künstler auf.

1912

Am 13. April wird Schiele in Neulengbach in Untersuchungshaft genommen wegen angeblicher Entführung einer Minderjährigen und anderer Delikte. 125 erotische Zeichnungen wurden beschlagnahmt. Am 30. April wird er ins Kreisgericht nach St. Pölten überstellt. Die Hauptbeschuldigung, eine Minderjährige verführt zu haben, erweist sich als haltlos. Weil Kinder aber gelegentlich in Schieles Atelier seine Aktstudien zu Gesicht bekommen, scheint damit dem Gericht der Tatbestand der “Verbreitung unsittlicher Zeichnungen” gegeben. Es verurteilt Schiele deswegen zu drei Tagen Arrest, die aber mit der vierundzwanzigtägigen Untersuchungshaft verbüßt sind.

Das alles bedeutet für Schiele einen schweren Schock. Die Zeit von Neulengbach, eine seiner produktivsten Perioden, war auf diese Weise zu Ende gegangen.

Bekanntschaft mit Edith

1913 Schiele arbeitet bei der Berliner Zeitschrift “Die Aktion”. In dieser von Franz Pfemfert herausgegebenen “Wochenzeitschrift für Politik, Literatur und Kunst” werden seit 1913 sowohl Zeichnungen als auch Prosagedichte Schieles aufgenommen.
1914

In diesem Jahr kann sich Schiele erstmals auch außerhalb der österreichisch-ungarischen Monarchie und Deutschlands an Ausstellungen beteiligen: in Rom, in Brüssel und in Paris. Im Frühjahr lässt sich Schiele von Robert Philippi in die Kunst des Holzschneidens und Radierens einführen.

Bis zum Sommer entstehen sechs Radierungen. Mit dem Fotografen Anton Josef Trčka versucht Schiele eine Reihe von höchst eigenwilligen Porträtaufnahmen.

Schiele bezieht im November sein neues Atelier in Wien. Im gegenüberliegenden Haus wohnt zu dieser Zeit der Schlossermeister Johann Harms mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern Adele und Edith.

Im Januar dürfte Schiele bereits die ersten Annäherungsversuche unternommen haben. Aber erst zum Jahresende wird er mit den Schwestern bekannt.

Krieg und Tod 

1915 Vier Tage, bevor Egon Schiele am 21. Juni nach Prag als Soldat einrücken muss, heiratet er Edith Harms. Vor der Heirat bestand sie darauf, dass er sich von Wally trennt, was er dann auch tut. Sie folgt ihm gleich nach Prag. Einen Monat später wird Schiele nach Wien versetzt und kann hier und in der näheren Umgebung seinen Militärdienst verrichten.
1916 Im Mai wird Egon Schiele als Schreiber in das Lager für kriegsgefangene russische Offiziere nach Mühling bei Wieselburg versetzt. In dieser Zeit war er künstlerisch nicht sehr produktiv. Doch entstand die “Zerfallende Mühle”. Schiele fühlte sich verloren und abgeschnitten und bemühte sich unablässig um eine Versetzung an das Heeresmuseum in Wien.
1917 Schiele wird endlich nach Wien an die “k.k. Konsumanstalt für Gagisten im Felde” als Kanzlist kommandiert und wird gemeinsam mit Gütersloh beauftragt, die “Kriegsausstellung 1917” im Prater zu organisieren.
1918

Ende April gelingt ihm die Kommandierung an das Heeresmuseum, das zu dieser Zeit einen Zufluchtsort für Künstler, Schriftsteller und Journalisten, usw. darstellte.

Am 6. Februar stirbt Gustav Klimt. Am Tag danach hat Schiele den toten Klimt im Allgemeinen Krankenhaus dreimal gezeichnet. Durch den Tod Klimts war er plötzlich der anerkannt führende Künstler Wiens.

Im März stellt die Wiener Sezession Schiele und seiner Gruppe ihr Gebäude zur Verfügung, Schiele selbst den Hauptsaal. Er ist mit 19 großen Gemälden und 29 zum Teil aquarellierten Zeichnungen vertreten. Künstlerisch und materiell bedeutet diese Ausstellung für ihn den ersten wirklichen Erfolg.

Während des Jahres 1918 grassiert in Europa und Teilen Afrikas die "Spanische Grippe", die häufig mit schwerer Lungenentzündung einher ging. Egon Schiele versucht seine schwangere Frau Edith so gut es geht vor einer Ansteckung zu schützen, aber dies gelingt ihm nicht. Sie stirbt am 28. Oktober. Egon Schiele, der zu dieser Zeit selber schon erkankt war, wird zu seiner Schwiegermutter in deren Wohnung in Wien Hietzing gebracht, um ihn zu pflegen. In den frühen Morgenstunden des 31. Oktobers verstirbt aber auch er an den Folgen der Krankheit. Er hinterlässt keinen Erben.

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